Freunde

 

 

Es war einmal ein König.

Der schickte seinen Feldherrn mit Soldaten los und befahl ihnen Folgendes:       

„Geht und vernichte meine Feinde!“

 

Und so zog der Feldherr mit den Soldaten los.

Es vergingen viele Monate und keine Nachricht drang zum König.

Da schickte er endlich einen Boten hinterher.

Der sollte erkunden, was geschehen war.

 

Als der Bote das feindliche Gebiet erreicht hatte, traf er auf ein Lager,

aus dem schon von weitem das fröhliche Treiben eines Festes zu hören war.    

Gemeinsam an einem Tisch fand er dort den Feldherrn

und seine Soldaten zusammen mit den Feinden des Königs.

 

Der Bote ging zum Feldherrn

seines Königs und stellte ihn zur Rede:

„Was soll das? Du hast deinen Befehl nicht ausgeführt!

Du solltest die Feinde vernichten.

Stattdessen sitzt ihr zusammen und feiert.“

 

Da sagte der Feldherr zum Boten:

 

 

„Ich habe den Befehl des Königs sehr wohl ausgeführt.

 

Ich habe die Feinde vernichtet ...

 

 ... ich habe sie zu Freunden gemacht!“

 

 

 

 

 

Die drei weisen Alten

 

 

Es war eines Tages im Frühling, als eine Frau vor ihrem

 

Haus drei alte Männer stehen sah. Sie hatten lange

 

weiße Bärte und sahen aus, als wären sie schon

 

weit herumgekommen.

 

Obwohl sie die Männer nicht kannte,

 

folgte sie ihrem Impuls,sie zu fragen,

 

ob sie vielleicht hungrig seien und mithinein kommen wollten.

 

 

Da antwortete er eine von ihnen:

 

“Sie sind sehr freundlich,

 

aber es kann nur einer von uns mit Ihnen gehen.

 

Sein Name ist Reichtum” und deutete dabei auf den Alten,

 

der rechts von ihm stand. Dann wies er auf den,

 

der links von ihm stand und sagte:

 

“Sein Name ist Erfolg. Und mein Name ist Liebe.

 

Ihr müsst euch überlegen, wen von uns ihr ins Haus bitten wollt.”

 

 

Die Frau ging ins Haus zurück und erzählte ihrem Mann,

 

was sie gerade draußen erlebt hatte.

 

Ihr Mann war hoch erfreut und sagte:

 

“Toll, lass uns doch Reichtum einladen”.

 

 

Seine Frau aber widersprach:

 

“Nein, ich denke wir sollten lieber Erfolg einladen.”

 

Die Tochter aber sagte: “Wäre es nicht schöner,

 

wir würden Liebe einladen?”

 

“Sie hat Recht”, sagte der Mann.

 

“Geh raus und lade Liebe als unseren Gast ein”.

 

Und auch die Frau nickte und ging zu den Männern.

 

 

Draußen sprach sie:

 

“Wer von euch ist Liebe?

 

Bitte kommen Sie rein und seien Sie unser Gast”.

 

Liebe machte sich auf und ihm

 

folgten die beiden anderen.

 

 

Überrascht fragte die Frau Reichtum und Erfolg:

 

“Ich habe nur Liebe eingeladen.

 

Warum könnt Ihr nun auch mitkommen?”

 

Die alten Männer antworteten im Chor:

 

“Wenn Sie Reichtum oder Erfolg eingeladen hätten,

 

wären die beiden anderen draußen geblieben.

 

Da Sie aber Liebe eingeladen haben,

 

gehen die anderen dorthin,

 

wohin die Liebe geht.”

 

 

 

 

 

 

 

Zwei Söhne

 

Als der König alt wurde,

wollte er einen der beiden Söhne zu seinem Nachfolger bestellen.

Er versammelte die Weisen des Landes und rief seine beiden Söhne herbei.

Er gab jedem der beiden fünf Silberstücke und sagte:

Ihr sollt für dieses Geld die Halle in unserem Schloss bis zum Abend füllen.

Womit, ist eure Sache." 

Die Weisen sagten: "Das ist eine gute Aufgabe."

 

Der älteste Sohn ging davon und kam an einem Feld vorbei,

wo die Arbeiter dabei waren, das Zuckerrohr zu ernten und in einer Mühle auszupressen.

Das ausgepresste Zuckerrohr lag nutzlos umher. 

Er dachte sich: "Das ist eine gute Gelegenheit, mit diesem nutzlosen Zeug die Halle meines Vaters zu füllen."

 

Mit dem Aufseher der Arbeiter wurde er einig, und sie schafften

bis zum späten Nachmittag das ausgedroschene Zuckerrohr in die Halle.

Als sie gefüllt war, ging er zu seinem Vater und sagte: "Ich habe deine Aufgabe erfüllt.

Auf meinen Bruder brauchst du nicht mehr zu warten. Mach mich zu deinem Nachfolger." 

Der Vater antwortet:

"Es ist noch nicht Abend. Ich werde warten."

 

Bald darauf kam auch der jüngere Sohn.

Er bat darum, das ausgedroschene Zuckerrohr wieder aus der Halle zu entfernen.

So geschah es.

 

Dann stellte er mitten in die Halle eine Kerze und zündete sie an.

Ihr Schein füllte die Halle bis in die letzte Ecke hinein.

 

Der Vater sagte:

"Du sollst mein Nachfolger sein.

Dein Bruder hat fünf Silberstücke ausgegeben, um die Halle mit nutzlosem Zeug zu füllen.

Du hast nicht einmal ein Silberstück gebraucht und hast sie mit Licht erfüllt.

Du hast sie mit dem gefüllt, was die Menschen brauchen."

 

 

 

 

 

 

Zwei Freunde wanderten durch die Wüste.

Während der Wanderung kam es zu einem Streit

und der eine schlug dem anderen im Affekt ins Gesicht. 

 

 

 

Der Geschlagene war gekränkt.

Ohne ein Wort zu sagen, kniete er nieder und schrieb folgende Worte in den Sand:

 

 

"Heute hat mich mein bester Freund ins Gesicht geschlagen."

 

 

 

Sie setzten ihre Wanderung fort und kamen bald darauf zu einer Oase.

Dort beschlossen sie beide, ein Bad zu nehmen. Der Freund, der geschlagen worden war,

blieb auf einmal im Schlamm stecken und drohte zu ertrinken.

Aber sein Freund rettete ihn buchstäblich in letzter Minute.

 

 

 

Nachdem sich der Freund, der fast ertrunken war,

wieder erholt hatte, nahm er einen Stein und ritzte folgende Worte hinein:

 

 

"Heute hat mein bester Freund mir das Leben gerettet."

 

 

 

Der Freund, der den anderen geschlagen und auch gerettet hatte, fragte erstaunt:

"Als ich dich gekränkt hatte, hast du deinen Satz nur in den Sand geschrieben,

aber nun ritzt du die Worte in einen Stein. Warum?"

 

 

 

Der andere Freund antwortete:

"Wenn uns jemand gekränkt oder beleidigt hat, sollten wir es in den Sand Schreiben,

damit der Wind des Verzeihens es wieder auslöschen kann.

 

Aber wenn jemand etwas tut, was für uns gut ist,

dann können wir das in einen Stein gravieren,

damit kein Wind es jemals löschen kann."

 

 

 

 

 

 

 

Das Wunder

 

 

 

Es war einmal eine Krämersfrau,

die mit ihrem Geschäft kein Glück mehr hatte.

Ihr Laden verlotterte immer mehr,

die Kunden kauften immer seltener bei ihr ein

und sie musste zusehen, wie ihr Vermögen unaufhaltsam
schrumpfte.

 

So ging sie eines Tages zu dem alten Dorfweisen

und erzählte ihm von ihrem Kummer:

»Die Zeiten sind schlecht, mein Geschäft leidet.

Kannst du mir denn nicht helfen?«

 


Der weise Mann gab ihr eine kleine,

verschlossene Schatulle und erklärte ihr:

»Du musst diese Schatulle jeden Morgen, Mittag und Abend herumtragen.

Im Laden, im Keller und in jedem Winkel des Hauses,

zudem noch rund um dein Anwesen.

Dann wird es dir schon wieder besser gehen.

 

 

»Bring mir aber die Schatulle in einem Jahr ungeöffnet wieder zurück!«

Die Frau befolgte gewissenhaft den Rat des Dorfweisen und trug die Schatulle fleißig umher.

 

 

 

Dabei entdeckte und sah sie vieles,

was sie gar nicht mehr wahrgenommen hatte.

So fegte sie Staub samt Spinnweben aus allen Ecken

und putzte Böden, Fenster und den Eingang.

 

 

Regale wurden abgeschliffen,

mit neuer Farbe versehen und ordentlich eingeräumt.

 

 

Kaputte Dinge ließ sie reparieren sowie

den verschlissenen Teppich ersetzen.

 

Den Garten befreite sie von Unkraut, sodass selbst

der vergessene Rosenstrauch wieder erblühte.


Vor dem Laden stellte sie eine

gemütliche Gartenbank auf und schmückte den Eingang mit Blumentöpfen.

 


Als das Jahr vorüber war,

brachte sie dem weisen Mann die Schatulle zurück und sprach:

»Hab vielen herzlichen Dank, guter Mann.

Deine Schatulle hat mir sehr geholfen.

 

 

Bei mir ist der Wohlstand eingezogen.

Die Kunden kaufen wieder bei mir ein

und mein Haus und Geschäft sind gut bestellt.

 

 

Doch sag mir, was ist in deiner Zauberschatulle ,

dass diese solche Wunder vollbringen kann?«

 


Da lächelte der Mann und sagte:

 

»Die Schatulle war und ist schon immer leer.

Das Wunder ist in dir geschehen.«

 

 

 

 

 

 

 

 

... das rechte Leben

 

Einen Weisen im alten China fragten einmal einer seiner Schüler:
„Du stehst  schon so lange an diesem Fluss und blickst in das Wasser.

Was siehst du denn da so interessantes?"

Der Weise antwortete nicht.

Er wandte seinen Blick nicht ab von dem unablässig strömenden Wasser.

 

 

Viel später sprach er:

„Das Wasser lehrt uns, wie wir leben sollen.

Wohin es fließt, bringt es Leben und teilt sich aus an alle, die seiner bedürfen.

Es ist gütig und freigiebig".

"Die Unebenheiten des Geländes versteht es auszugleichen:

Es ist gerecht".

"Ohne zu zögern in seinem Lauf,

stürzt es sich über Steilwände als Wasserfall in die Tiefe.

Es ist mutig".

"Seine Oberfläche ist glatt und eben mäßig,

aber es kann verborgene Tiefen bilden.

Es ist weise".

"Felsen, die ihm im Lauf entgegenstehen, um fließt es.

Es ist verträglich".

"Aber seine Kraft ist Tag und Nacht am Werk,

das Hindernis zu beseitigen.

Es ist ausdauernd".

"Wie viele Windungen es auch auf sich nehmen muss,

niemals verliert es die Richtung zu seinem ewigen Ziel, dem Meer, aus dem Auge.

Es ist zielbewusst".

"Und sooft es auch verunreinigt wird,

bemüht es sich doch unablässig,

wieder rein zu werden.

Es hat die Kraft, sich immer wieder zu erneuern".

 


"Das alles", sagte der Weise, "ist es, warum ich auf das Wasser schaue.

 

Es lehrt mich das rechte Leben"!

Autor unbekannt

 

 

 

 

 

 

Mein Stamm

 


 

Die Leute meines Stammes sind leicht zu erkennen:
Sie gehen aufrecht, haben Funken in den Augen
und ein Schmunzeln auf den Lippen.

 

 

Sie halten sich weder für heilig noch erleuchtet.
Sie sind durch ihre eigene Hölle gegangen,
haben ihre Schatten und Dämonen angeschaut,
angenommen und offenbart.


Sie sind keine Kinder mehr,
wissen wohl was ihnen angetan worden ist,
haben ihre Scham und ihre Rage explodieren lassen
und dann die Vergangenheit abgelegt,
die Nabelschnur abgeschnitten und
die Verzeihung ausgesprochen.

 

 

Weil sie nichts mehr verbergen wollen,
sind sie klar und offen.


Weil sie nicht mehr verdrängen müssen,
sind sie voller Energie, Neugierde und Begeisterung.


Das Feuer brennt in ihrem Bauch
und in ihrem Herz!

 

 

Die Leute meines Stammes kennen
den wilden Mann und die wilde Frau in sich
und haben keine Angst davor.

 

Sie halten nichts für gegeben und selbstverständlich,

sie prüfen nach, machen ihre eigene Erfahrungen und
folgen ihrer eigenen Intuitition

 

 

Frauen und Männer meines Stammes
begegnen sich auf der gleichen Ebene,
achten und schätzen ihr “Anders”-Sein,
konfrontieren sich ohne Bosheit und lieben ohne Rückhalt.

 

 

Leute meines Stammes gehen oft nach innen,
um sich zu sammeln,
um Kontakt mit den eigenen Wurzeln auf zu nehmen,
um sich wieder zu finden,
falls sie sich durch den Rausch das Lebens verloren haben.

 

 

Und dann kehren sie gerne zu ihrem Stamm zurück,
denn sie mögen teilen und mitteilen,
geben und nehmen, schenken und beschenkt werden.

 

 

Sie leben Wärme, Geborgenheit und Intimität.
Getrennt, fühlen sie sich nicht verloren,

wie kleine Kinder und können gut damit umgehen.


Sie leiden aber an Isolation und sehnen sich

nach ihren Seelenbrüdern und -schwestern.

 

 

Die Zeit unserer Begegnung ist gekommen!

 

 

 

 

 

 

 

Zwei Wölfe…

 

 

Ein alter Indianer saß mit seinem Enkelsohn am Lagerfeuer.

Die Nacht hatte sich über das Land gesenkt und das Feuer knackte und krachte,

während die Flammen hoch hinaus in den Himmel züngelten.

 

 

 Nach einer langen Weile des Schweigens sagte der Alte zu seinem Enkel :

 

"Weißt du, manchmal fühle ich mich, als wenn zwei Wölfe in meinem

Herzen miteinander kämpfen würden.

 

Einer der beiden ist rachsüchtig, aggressiv und grausam.

Der andere hingegen ist liebevoll, sanft und mitfühlend."

 

 

 "Welcher der beiden wird den Kampf um dein Herz gewinnen?" fragte der Junge.

 

 

 

 Da antwortete der Alte:

 

 

 "Der Wolf,

 

den ich füttere."

 

 

 

 

 

 

 

 


 

Ein Schüler

der Meditation ging zu seinem Meister.

 

Er sagte:

"Meister, meine Meditation ist schrecklich!

Meine Beine tun mir weh, mein Rücken ist ein einziger Knoten,

meine Gedanken sind wirr und ich bin immer schlecht gelaunt!"

 

Der Meister äußert:

"Das geht vorbei."

 

 

Eine Woche später kam derselbe Schüler zum Meister.

 

Er sagte:

"Meister, meine Meditation ist wunderbar!

Mein Körper ist ganz leicht, Sektperlen in meinem Kopf,

mein Herz ist so friedvoll und das Blau des Himmels

ist blauer als jemals zuvor."

 

Der Meister:

"Das geht vorbei."

 

 

 

 

 

Die Macht ... der Wahl

 

 

Ein sehr alter Mann beschloss nach dem Tod seiner Frau,

ins Altersheim zu gehen. Die Wohnung schien ihm zu groß,

und er wollte für seine letzten Tage auch

noch ein bisschen Gesellschaft haben,

denn er war geistig noch in guter Verfassung.

 

 

Im Heim musste er lange in der Halle warten,

ehe ein junger Mann zu ihm kam und mitteilte,

dass sein Zimmer nun fertig sei.

Er bedankte sich und lächelte seinem Begleiter zu,

während er, auf seinen Stock gestützt, langsam neben ihm herging.

 

 

Bevor sie den Aufzug betraten erhaschte der Alte einen Blick

in eines der Zimmer und sagte. „Mir gefällt es sehr gut.“

Sein junger Begleiter war überrascht und meinte,

er habe doch sein eigenes Zimmer noch gar nicht gesehen.

 


Bedächtig antwortete der alte Mann:

„Wissen Sie, junger Mann, ob ich den Raum mag oder nicht,

hängt nicht von der Lage der Einrichtung oder der Möblierung,

sondern von meiner Einstellung ab, von der Art, wie ich ihn sehen will.

 

 

Und ich habe mich entschieden,

glücklich zu sein. Diese Entscheidung treffe ich jeden Morgen,

wenn ich aufwache, denn ich kann wählen.

 

 

 

Ich kann im Bett bleiben und damit hadern,

dass mein Körper dies und jenes nicht mehr so reibungslos schafft –

oder ich kann aufstehen und dankbar sein für alles, was ich noch kann.

 

 

 

Jeder Tag ist ein Geschenk,

und solange ich meine Augen öffnen kann,

will ich sie auf den neuen Tag richten

und solange ich meinen Mund öffnen kann,

will ich dem Universum, Gott…..

danken für all die glücklichen Stunden,

die ich erleben durfte

und noch erleben darf.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Eine schwere Entscheidung

 

 

 

Ein Vater zog mit seinem Sohn und

einem Esel in der Mittagsglut

durch die staubigen Gassen von Keshan.

 

Der Vater saß auf dem Esel,

den der Junge führte.

 

"Der arme Junge", sagte da ein Vorübergehender.

"Seine kurzen Beinchen versuchen mit dem Tempo

des Esels Schritt zu halten.

Wie kann man so faul auf dem Esel herumsitzen,

wenn man sieht, dass das kleine Kind sich müde läuft."

 

 

  Der Vater nahm sich dies zu Herzen,

stieg hinter der nächsten Ecke ab und ließ den Jungen aufsitzen.

 

 

Gar nicht lange dauerte es,

da erhob schon wieder ein Vorübergehender seine Stimme:

"So eine Unverschämtheit. Sitzt doch der kleine Bengel

wie ein Sultan auf dem Esel, während sein armer,

alter Vater daneben herläuft."

 

 

Dies schmerzte den Jungen und er bat den Vater,

sich hinter ihn auf den Esel zu setzten.

 

 

"Hat man so was schon gesehen?" keifte eine Frau,

"Solche Tierquälerei! Dem armen Esel hängt der Rücken durch,

und der alte und der junge Nichtsnutz ruhen sich auf ihm aus,

als wäre er ein Diwan. Die arme Kreatur!"

 

 

Die Gescholtenen schauten sich an

und stiegen beide, ohne ein Wort zu sagen, vom Esel herunter.

 

 

Kaum waren sie wenige Schritte neben dem Tier hergegangen,

machte sich ein Fremder über sie lustig:

"So dumm möchte ich nicht sein.

Wozu führt ihr denn den Esel spazieren, wenn er nichts leistet,

euch keinen Nutzen bringt und noch nicht einmal einen von euch trägt?"

 

 

Der Vater schob dem Esel eine Hand voll Stroh ins Maul und legte seine Hand auf die Schulter des Sohnes.

 

 

"Gleichgültig, was wir machen", sagte er,

"es findet sich doch jemand, der damit nicht einverstanden ist.

 

Ich glaube, ab jetzt müssen selbst wissen,

was wir für richtig halten."

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Im Tempel der tausend Spiegel
 
In einem fernen Land gab es vor langer,

langer Zeit einen Tempel mit tausend Spiegeln

und eines Tages kam, wie es der Zufall so will, ein Hund des Weges.

 

Der Hund bemerkte, dass das Tor zum Tempel

der tausend Spiegel geöffnet war und vorsichtig

und ängstlich öffnete er das Tor und ging in den Tempel hinein.

 

Und Hunde wissen natürlich nicht,

was Spiegel sind und was sie vermögen

und nachdem er den Tempel betreten hatte,

glaubte er sich von tausend Hunden umgeben.

 

 

Der Hund begann zu knurren

und er sah auf die vielen Spiegeln

und überall sah er einen Hund, der ebenfalls knurrte.

 

Und er begann die Zähne zu fletschen

und im selben Augenblick begannen die tausend Hunde

auch damit die Zähne zu fletschen

und der Hund bekam es mit der Angst zu tun.

 

 

So etwas hatte er noch nie erlebt

und voller Panik lief er, so schnell er konnte, aus dem Tempel hinaus.

 

Dieses furchtbare Erlebnis hatte sich tief

in das Gedächtnis des Hundes vergraben.

Fortan hielt er es für erwiesen,

dass ihm andere Hunde feindlich gesinnt sein mussten.

 

Die Welt war für ihn ein bedrohlicher Ort

und er ward von anderen Hunden gemieden

und lebte verbittert

 

 

... bis ans Ende seiner Tage. 

 

 

 


 
Die Zeit verging

und wie es der Zufall so will,

kam eines Tages ein anderer Hund des Weges.

 

Der Hund bemerkte, dass das Tor zum Tempel

der tausend Spiegel geöffnet war.

Neugierig und erwartungsvoll öffnete er das Tor

und ging in den Tempel hinein.

 

Und Hunde wissen natürlich nicht,

was Spiegel sind und was sie vermögen

und nachdem er den Tempel betreten hatte,

glaubte er sich von tausend Hunden umgeben.

 

Und der Hund begann freundlich

zu wedeln und lächeln, er sah auf die vielen Spiegeln

und überall sah er einen Hund, der ebenfalls freundlich wedelte

und lächelte - so gut Hunde eben lächeln können.

 

Er begann vor Freude mehr mit dem Schwanz zu wedeln

und im selben Augenblick begannen die tausend Hunde

ebenfalls mehr mit ihrem Schwanz zu wedeln

und der Hund wurde noch fröhlicher.

 

 

So etwas hatte er noch nie erlebt

und voller Freude blieb er, so lange er konnte, im Tempel

und spielte mit den tausend Hunden.

 

Dieses schöne Erlebnis hatte sich

tief in das Gedächtnis des Hundes vergraben.

Fortan sah er es als erwiesen an,

dass ihm andere Hunde freundlich gesinnt waren.

 

Die Welt war für ihn ein freundlicher Or.

 

Er ward von anderen Hunden gern gesehen

und lebte glücklich

 

... bis ans Ende seiner Tage.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Weg der Natur

 

 

 

Ein Mann fand einen Schmetterlingskokon und nahm ihn mit zu

sich nach Hause, um den Schmetterling daraus schlüpfen zusehen.

Eine kleine Öffnung wurde eines Tages sichtbar.

 

Der Mann sah, wie sehr sich der zukünftige Schmetterling

abmühte, durch das enge Loch aus dem Kokon zu schlüpfen.

 

Stundenlang kämpfte er, um sich daraus zu befreien.

Doch es schien als könne er seinen Körper nicht über einen bestimmten Punkt hinaus bringen um zu schlüpfen. So als ob der Schmetterling feststeckte.

 

Da bekam der Mann Mitleid mit dem Schmetterling,

ging in die Küche, holte einen Zahnstocher und weitete vorsichtig das

Loch im Kokon, damit sich der Schmetterling leichter befreien konnte.

 

Jetzt schlüpfte der Schmetterling sehr schnell und mit Leichtigkeit heraus.

 

Jedoch, was sah der Mann da?

Der Schmetterling hatte einen großen

aufgedunsenen Körper mit kleinen, schrumpeligen Flügeln.

 

Der Mann dachte, dass sich die Flügel in ein paar Stunden zu ihrer natürlichen Schönheit und Größe entfalten würden, doch es geschah nicht. > … Nie!

 

Der Schmetterling der da entschlüpft war, war behindert.

Anstatt sich in ein Geschöpf zu verwandeln, das frei war zu fliegen,

verbrachte der Schmetterling sein ganzes Leben damit, einen geschwollenen Körper und kleine aufgedunsene Flügel mit sich herumzuschleppen.

 

Die Flügel waren ganz kurz und er konnte

nur flattern jedoch nicht fliegen.

 

Da nahm der Mann den Schmetterling mit zu einem Freund,

einem Biologen, und fragte diesen:

"Warum sind die Flügel so kurz

und warum kann dieser Schmetterling nicht fliegen?"

 

Der Biologe, fragte ihn, was er denn genau gemacht hätte.

Da erzählte der Mann dass er dem Schmetterling

geholfen hatte leichter aus dem Kokon zu schlüpfen.

 

"Das war das Schlimmste was du tun konntest.

Denn durch die schmale Öffnung, ist der Schmetterling gezwungen,

sich hindurchzuquetschen.

Nur dadurch werden seine Flügel aus seinem Körper heraus gepresst.

 

Wenn er dann ganz aus geschlüpft ist, kann er fliegen.

Nun, du hast ihm zwar Schmerzen und seinen Kampf erspart.

Du hast ihm damit kurzfristig geholfen, aber

Lebenslang seine Bestimmung > zu Fliegen < verhindert."

 

Die gut gemeinte, gnadenvolle, mitleidige,

Unterstützung des Mannes war in Wirklichkeit >>> grausam.

 

Manches Mal ist ein Druck, eine Enge

genau das, was wir brauchen um zu wachsen.

 

 

Um die neuen Herausforderungen des Lebens

annehmen

und

bestehenzu können.

 

 

 

 

 

 

 

 

Wer weiß es schon ...

 

Ein alter Mann lebte zusammen

mit seinem einzigen Sohnauf einer kleinen Farm.

 

Sie besaßen nur ein Pferd, mit dem sie die Felder bestellen konnten

und kamen gerade so über die Runden.

 

Eines Tages lief das Pferd davon.

Die Leute im Dorf kamen zu dem alten Mann und riefen

“Oh, jeh was für ein schreckliches Unglück!”

 

Der alte Mann erwiderte aber mit ruhiger Stimme:

“Wer weiß schon, wozu es gut ist?”

 

Eine Woche später

kam das Pferd zurück und führte eine

ganze Herde wunderschöner Wildpferde mit auf die Koppel.

Wieder kamen die Leute aus dem Dorf: “Was für ein unglaubliches Glück!”

 

Doch der alte Mann sagte wieder:

“Wer weiß schon, wozu es gut ist?”

 

In der nächsten Woche machte sich der Sohn daran,

eines der wilden Pferde einzureiten.

Er wurde aber abgeworfen und brach sich ein Bein.

Nun musste der alte Mann die Feldarbeit allein bewältigen.

 

Und die Leute aus dem Dorf sagten zu ihm:

“Was für ein schlimmes Unglück!”

Die Antwort des alten Mannes war wieder:

“Wer weiß schon, wozu es gut ist?”

 

In den nächsten Tagen brach ein Krieg mit dem Nachbarland aus.

Die Soldaten der Armee kamen in das Dorf,

um alle kriegsfähigen Männer einzuziehen.

 

Alle jungen Männer des Dorfes

mussten an die Front und viele von ihnen starben.

 

Der Sohn des alten Mannes aber

konnte mit seinem gebrochenen Bein zu Hause bleiben.

 

 

“Wer weiß schon wozu es gut ist?”

 

 

 

 

 

 

 

... soooo, wie er ist!

 

 

Ein Junge kam an einer Tierhandlung vorbei

und sah ein Schild auf dem stand: “Hundewelpen zu verkaufen”.

 

 

Da der Ladenbesitzer gerade an der Tür stand,

fragte der junge ihn:

 

Was kosten die Hundebabys?”

“Zwischen 50,- und 80,- Euro” sagte der Mann.

 

 

Der Junge griff in seine Hosentasche und zog einige Münzen heraus. “Ich habe 7 Euro und 65 Cents.” sagte er.

“Darf ich sie mir bitte anschauen?”

 

 

Der Ladenbesitzer lächelte und pfiff nach seiner Hündin.

Fünf kleine Hundebabys stolperten hinter ihr her.

 

 

Eines von ihnen war deutlich

langsamer als die anderen und humpelte auffällig.

 

 

Was hat der Kleine dahinten?” fragte der Junge.

 

Der Ladenbesitzer erklärte ihm, dass der Welpe einen

Geburtsschaden hatte und nie richtig laufen würde.

 

 

Den möchte ich kaufen.” sagte der Junge.

 

Also den würde ich nicht nehmen, der wird nie ganz gesund”

antwortete der Mann. “

Aber, wenn du ihn unbedingt willst, schenke ich ihn dir.”

 

 

 

Da wurde der kleine Junge wütend.

 

Er blickte dem Mann direkt in die Augen und sagte:

“Ich möchte ihn nicht geschenkt haben.

 

Dieser kleine Hund ist jeden Cent wert, genauso wie die anderen auch.

 

 

Ich gebe Ihnen meine 7,65 EUR

und werde jede Woche einen Euro bringen, bis er abgezahlt ist.”

 

 

Der Mann entgegnete nur:

“Ich würde ihn wirklich nicht

kaufen – er wird niemals in der Lage sein,

mit dirzu rennen und zu toben wie die anderen.”

 

 

 

Da hob der Junge sein Hosenbein,

da wurde eine Metallschiene sichtbar,

die sein verkrüppeltes Bein stützte.

 

 

 

Liebevoll auf den Hund blickend sagte der Junge:

“Ach, ich renne selbst auch nicht gut und dieser kleine Hund wird jemanden brauchen, der ihn versteht und ihn liebt,

 

 

… so wie er ist!”

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Eine Frau wacht mitten in der Nacht auf und stellt fest,

dass ihr Ehemann nicht im Bett ist.

 

Sie zieht sich ihren Morgenmantel an und verlässt das Schlafzimmer.

Er sitzt am Küchentisch vor einer Tasse Kaffee - tief in Gedanken versunken...

starrt nur gegen die Wand. Sie kann beobachten, wie ihm eine Träne aus den Augen rinnt und

er einen kräftigen Schluck von seinem Kaffee nimmt.

 

"Was ist los, Liebling? Warum sitzt du um diese Uhrzeit in der Küche?" fragt sie ihn.

"Erinnerst du dich, als wir vor 20 Jahren unser erstes Date hatten?

Du warst gerade erst 16!" fragt er sie. "Aber ja!" erwidert sie.

 

"Erinnerst du dich daran, dass uns dein Vater dabei erwischt hat,

als wir uns gerade in meinem Auto auf dem Rücksitz geliebt haben?"

"Ja, ich erinnere mich gut, das werde ich nie vergessen."

 

"Erinnerst du dich auch, als er mir sein Gewehr

vor das Gesicht gehalten hat und gesagt hat:

"Entweder du heiratest meine Tochter oder

du wanderst für die nächsten 20 Jahre ins Gefängnis!?"

 

"Oh ja!" sagt sie.

 

Er wischt eine weitere Träne von seiner Wange und sagt:

 

"Weißt du... heute wäre ich entlassen worden!"

 

 

 

 

 

 

 

 

Geben und nehmen

Ein Mann war in einen Brunnen gefallen und hatte sich verkeilt,

als Mulla Nasrudin vorüber kam.

 

Das Wasser stieg langsam höher,

doch auf die Rufe der Helfer "Gib uns deine Hand!"

reagierte der Mann nicht.

 

Nasrudin schob sich durch die gaffende Menge,

beugte sich zu dem Mann hinunter und sagte:

"Mein Freund, welchen Beruf übst du aus?"

"Ich bin Steuerprüfer", ächzte der Mann.

"In diesem Fall", brüllte Mulla Nasrudin,

"Nimm meine Hand!"

Sofort ergriff der Mann die Hand

und Nasrudin zog ihn herauf in Sicherheit.

 

Der Mulla drehte sich zu der verblüfften Menge um und sagte:

"Ihr dürft niemals den Mann von der Steuer darum bitten,

Euch etwas zu geben,

Ihr Schwachköpfe!"

 

 

 

 

Unsere Zeit:

 

 Wir haben hohe Gebäude, aber eine niedrige Toleranz,

breite Autobahnen, aber enge Ansichten.

Wir verbrauchen mehr, aber haben weniger,

machen mehr Einkäufe, aber haben weniger Freude.

Wir haben größere Häuser, aber kleinere Familien,

mehr Bequemlichkeit, aber weniger Zeit,

mehr Ausbildung, aber weniger Vernunft,

mehr Kenntnisse, aber weniger Menschenverstand,

mehr Experten, aber auch mehr Probleme,

mehr Medizin, aber weniger Gesundheit.

 

Wir rauchen zu stark, wir trinken zu viel,

wir geben verantwortungslos viel aus;

wir lachen zu wenig, fahren zu schnell, regen uns zu schnell auf,

gehen zu spät schlafen, stehen zu müde auf;

wir lesen zu wenig, sehen zu viel fern, beten zu selten.

 

 Wir haben unseren Besitz vervielfacht,

aber unsere Werte reduziert.

Wir sprechen zu viel, wir lieben zu selten und wir hassen zu oft.

 

Wir wissen, wie man seinen Lebensunterhalt verdient, aber nicht mehr, wie man lebt.

 Wir haben dem Leben Jahre hinzugefügt, aber nicht den Jahren Leben.

Wir kommen zum Mond, aber nicht mehr an die Tür des Nachbarn.

Wir haben den Weltraum erobert, aber nicht den Raum in uns.

Wir machen größere Dinge, aber keine Besseren.

Wir können Atome spalten, aber nicht unsere Vorurteile.

 

Wir schreiben mehr, aber wissen weniger,

wir planen mehr, aber erreichen weniger.

Wir haben gelernt schnell zu sein, aber wir können nicht warten.

 

 Es ist die Zeit des schnellen Essens und der schlechten Verdauung,

der großen Männer und der kleinkarierten Seelen,

der leichten Profite und der schwierigen Beziehungen.

 

Es ist die Zeit

des größeren Familieneinkommens und der vielen Scheidungen,

der schöneren Häuser und des zerstörten Zuhause.

 

Es ist die Zeit der schnellen Reisen,

der Wegwerfwindeln und der Wegwerfmoral,

der Beziehungen für eine Nacht und des Übergewichts.

 

Es ist die Zeit der Pillen, die alles können: sie erregen uns, sie beruhigen uns, sie töten uns.

 

Es ist die Zeit, in der es wichtiger ist, etwas im Schaufenster zu haben, statt im Laden,

wo moderne Technik einen Text wie diesen in Windeseile in die ganze Welt tragen kann,

und jetzt haben sie die Wahl:

ihr Leben ändern - oder diesen Text und seine Botschaft wieder zu vergessen.

 

Denkt daran, mehr Zeit denen zu schenken, die Ihr liebt,

weil sie nicht immer mit Euch sein werden.

Sagt ein gutes Wort denen, die Euch jetzt voll Begeisterung von unten her anschauen,

weil diese kleinen Geschöpfe bald erwachsen werden und nicht mehr bei Euch sein werden.

 

Schenkt dem Menschen neben Euch eine innige Umarmung,

denn sie ist der einzige Schatz, der von Eurem Herzen kommt und Euch nichts kostet.

Sagt dem geliebten Menschen: „Ich liebe Dich" und meint es auch so. Ein Kuss und eine Umarmung, die von Herzen kommen, können alles Böse wiedergutmachen.

Geht Hand in Hand und schätzt die Augenblicke, wo Ihr zusammen seid,

denn eines Tages wird dieser Mensch nicht mehr neben Euch sein.

 

 

Findet Zeit Euch zu lieben, findet Zeit miteinander zu sprechen. Findet Zeit, alles was Ihr zu sagen habt miteinander zu teilen, denn das Leben wird nicht gemessen an der Anzahl der Atemzüge, sondern an der Anzahl der Augenblicke, die uns des Atems berauben.

 

 

 

 

 

 

Stärken ... stärken

 

Ein Familienvater arbeitete seit vielen Jahren bei einer großen Firma als Hausmeister.

Eines Tages wurde er zum Personalchef gerufen.

»Aufgrund unserer neuen Personalrichtlinien habe ich mir ihre Akte angesehen.

Leider konnte ich keinen einzigen Ausbildungsnachweis finden.«

 

Unbedarft antwortete der Hausmeister:

»Das ist schon richtig, ich habe keinen anerkannten Schulabschluss.«.

 

»Dann tut es mir außerordentlich leid«, der Personalchef rang mit den Worten,

»Sie sind seit über 20 Jahren in unserem Unternehmen tätig, waren nie krank und haben nur beste Arbeit geleistet! Dennoch muss ich ihnen kündigen, da sie die Qualitätsstandards der neuen Geschäftsführung nicht erfüllen!«

 

Der Hausmeister hängte ein letztes Mal seinen Kittel an den Haken und ging betrübt nach Hause.. »Was soll ich nun tun?«, fragte er seine Frau.

»Wie sollen wir die Raten von unserem Haus abzahlen und unsere Kinder bei ihrem Studium unterstützen?«. »Vielleicht soll dies ja ein Wink des Schicksals sein«, meinte seine Frau.

 

»Du hattest doch früher schon den Traum, ein selbstständiger Hausmeister zu sein!«

Zuerst suchte er seinen Nachbarn auf, der Inhaber eines großen Betriebes war.

»Du kannst sofort für mich arbeiten. Ich kenne deine Fähigkeiten!«, sagte dieser.

 

Bei den nächsten Firmen ging es ihm ähnlich. Sein guter Ruf war in der ganzen Stadt bekannt. Innerhalb weniger Jahre stellte der Hausmeister immer mehr Personal ein, um der Flut seiner Aufträge gerecht zu werden. Er wurde zu einem angesehenen Unternehmer, mit einer siebenstelligen Summe auf der Bank. Eines Tages bekam er Besuch vom Vorstand seiner Bank. Dieser war sehr erfreut, ihn endlich persönlich kennenzulernen.

 

»Es kommt ja immer nur ihr Buchhalter, um die Bankgeschäfte zu regeln.

Diesmal brauche ich jedoch ihre persönliche Unterschrift.

Möchten sie den Vertrag noch einmal durchlesen?«

 

Der Hausmeister entschuldigte sich lächelnd:

»Tut mir leid, ich kann kaum lesen.«

Ungläubig meinte der Bankier:

» Sie sind in kürzester Zeit zu einem unserer größten Kunden geworden.

 

Stellen sie sich mal vor, was für eine Zukunft sie mit einer guten Schulbildung gehabt hätten!«

Da sprach der lese- und rechtschreibschwache, erfolgreiche Hausmeister:

 

 

»Das kann ich ihnen sagen:

 

» ich wäre immer noch ein angestellter Hausmeister!«

 

 

 

 

 

Schone nichts!

 

Mein Freund öffnete eine Schublade der Kommode seiner Frau und holte daraus ein kleines Paket hervor, das in Seide eingewickelt war.

 

"Dies ist nicht einfach ein Paket, darin ist feine Wäsche."

 Er betrachtete die Seide und die Spitze.

 

"Dies habe ich ihr vor 8 oder 9 Jahren in New York gekauft,

aber sie hates nie getragen.

 

Sie wollte es aufbewahren für eine besondere Gelegenheit.

Nun ja, ich glaube, jetzt ist der Moment gekommen.

 

"Er ging zum Bett und legte das Päckchen

zu den anderen Sachen .......

...... die der Bestatter mitnehmen würde.

 

Seine Frau war gestorben.


Er drehte sich zu mir herum und sagte:

"Hebe niemals etwas für einen besonderen Anlass auf.

 

Jeder Tag, den Du erlebst, ist besonders“.

Ich denke oft, an seine Worte, sie haben mein Leben verändert.

 

Heute lese ich viel mehr als früher und putze weniger.

Ich setze mich auf meine Terrasse und genieße

den Blick in die Natur, ohne mich am Unkraut im Garten zu stören.

 

Ich verbringe mehr Zeit mit meiner Familie,

meine Freunden und arbeite weniger.


Ich habe begriffen, dass das Leben aus einer Sammlung von Erfahrungen besteht, die man zu schätzen wissen darf.

 

Außerdem schone ich nichts!!

 

Ich nehme die guten Kristallgläser jeden Tag und ziehe meine

neue Jacke zum Einkaufen im Supermarkt an, wenn mir danach ist.

 

Ich hebe mein bestes Parfum nicht mehr für Festtage auf,

sondern trage es auf, wenn ich Lust darauf habe.

 

Sätze wie "irgendwann" und "eines Tages" werden

aus meinem Vokabular verbannt.

 

Wann immer es sich richtig anfühlt, mag ich,

was mir in den Sinn kommt, gleich sehen, hören und machen.

 

Ich weiß nicht, was die Frau meines Freundes getan hätte,

hätte sie gewusst, dass sie morgen nicht mehr da ist.

Ich denke, sie hätte ihre Familie und enge Freunde angerufen.

Vielleicht hätte sie sich bei alten Freunden für einen Streit entschuldigt, der lange her war.

 

Ich stelle mir gerne vor, dass sie Essen gegangen wäre

(in ihrem Lieblingsrestaurant).

 

Es sind die kleinen, nie getanen Dinge, die ich bereuen würde,

wenn ich wüsste, dass meine Stunden gezählt sind.

Und ich wäre traurig,

gute Freunde nicht mehr getroffen zu haben,

mit denen ich schon so lange Kontakt aufnehmen wollte

(... irgendwann eben).


Traurig, dass ich die Briefe nicht mehr

geschrieben habe, die ich schreiben wollte.

 

"Eines Tages".

 

Traurig, dass ich meinen Lieben

nicht öfter gesagt habe,

 dass ich sie liebe.

 

Inzwischen bewahre ich nichts mehr für eine

besondere Gelegenheit auf, was ein Lächeln ins Leben bringen könnte.

 

Jeder Tag, jede Stunde, jede Minute ist besonders...

 

 

 

 

 

 

Was wir sind ...

 

 

Das alte Paradigma lautete:

 

Wir sind Wesen, die Geist entwickelt haben,

durch Verfehlung aber von Gott abgekommen sind.

 


Das neue Paradigma lautet:

 

Wir sind nie aus Gott herausgefallen.

Was wir Gott nennen, entfaltet sich wie ein Fächer in der Evolution.

Wir sind eine Epiphanie (Erscheinung) Gottes.

Wir können unsere wahre Natur nur nicht erkennen.

Wir sind nicht abgefallen von dieser ersten Wirklichkeit,

wie die “Ursünde” uns das deuten will.

 

Wir haben nur vergessen, dass wir

aus dieser Wirklichkeit kommen und nie herausfallen können.

 

Wir halten uns für den Strand, der nach dem Meer lechzt.

Jedoch sind wir das Meer, das mit dem Strand spielt.

In dieser Erkenntnis liegt die Zukunft unserer Spezies.

Die Trendwende in den Religionen hat begonnen.

 

Willigis Jäger

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Schule der Tiere

 

Es gab einmal eine Zeit, da hatten die Tiere eine Schule.

Der Unterricht bestand aus Rennen, Klettern, Fliegen und Schwimmen, und alle Tiere wurden in allen Fächern unterrichtet.

 

Die Ente war gut im Schwimmen, besser sogar als der Lehrer.

Im Fliegen war sie durchschnittlich,aber im Rennen war sie ein besonders hoffnungsloser Fall.

Da sie in diesem Fach so schlechte Noten hatte,

musste sie nachsitzen und den Schwimmunterricht ausfallen lassen,

um das Rennen zu üben.

Das tat sie so lange, bis sie auch im Schwimmen

nur noch durchschnittlich war.

Durchschnittliche Noten waren aber akzeptabel,

darum machte sich niemand Gedanken darum, außer die Ente.

 

Der Adler wurde als Problemschüler angesehen er wurde unnachgiebig und streng gemaßregelt, da er, obwohl er in der Kletterklasse alle anderen darin schlug, darauf bestand, seine eigene Methode anzuwenden.

 

Das Kaninchen war anfänglich im Laufen an der Spitze der Klasse,

aber es bekam einen Nervenzusammenbruch und musste von der Schule abgehen wegen des vielen Nachhilfeunterrichts im Schwimmen.

 

Das Eichhörnchen war Klassenbester im Klettern,

aber sein Fluglehrer ließ ihn seine Flugstunden am Boden beginnen,

anstatt vom Baumwipfel herunter.

Es bekam Muskelkater durch Überanstrengung bei den Startübungen und immer mehr „Dreien“ im Klettern und „Fünfen“ im Rennen.

 

Die mit Sinn für’s Praktische begabten Präriehunde

gaben ihre Jungen zum Dachs in die Lehre, als die Schulbehörde

es ablehnte, Buddeln in den Unterricht aufzunehmen.

 

Und am Ende des Jahres hielt ein anormaler Aal,

der gut schwimmen, etwas rennen, klettern und fliegen konnte,

als Schulbester die Schlussansprache.

 

 

 

 

 

... ein Spaziergang am Meer

 


 

Ein Mann lag schon seit einigen Wochen krank im Bett,

und seine Ungeduld zu genesen und wieder ganz gesund zu sein,

wuchs von Tag zu Tag.

 

 

Da hatte er eines Nachts folgenden Traum:

Er ging mit Gott an einem Strand spazieren.

Am Himmel zogen Szenen aus seinem Leben vorbei

und für jede Szene waren Spuren im Sand zu sehen.

 

Als er nun auf die Fußspuren im Sand zurückblickte sah er,

dass manchmal zwei, manchmal aber nur eine da war.

 

Er bemerkte weiter, dass diese eine Spur zusammenfiel

mit den Zeiten größter Not und Traurigkeit in seinem Leben.

 

 

Deshalb fragte er Gott:

„Ich habe bemerkt, dass zu den Krisenzeiten

in meinem Leben nur eine Fußspur zu sehen ist.

Du hast aber versprochen, stets mit mir zu sein.

Ich verstehe nicht, warum du mich da,

wo ich dich am nötigsten gebraucht hätte,

allein gelassen hast.“

 

 

Da antwortete Gott:

„Mein lieber Sohn, ich habe dich lieb

und würde dich niemals verlassen.

An den Tagen, an denen du am meisten gelitten hast

und mich am nötigsten brauchtest – da,

wo du nur eine einzige Fußspur siehst – das war an den Tagen,

an denen ich dich getragen habe.“

 

 

 

 

 

 

Alte Muster

 

Mutter backt für ein Fest einen

Apfelstrudel nach dem Rezept Ihrer Mutter.
Ihre Tochter Anne hilft ihr.

 

Sie schälen und schneiden die saftigen Äpfel klein,

mahlen frische Haselnüsse und geben Rosinen hinzu.

Dann befüllen sie den Teig mit der

Apfelmasse und rollen den Strudelteig ein.


Mama legt den Teig dann

zu einer U-Form auf ein Backblech, was Anne besonders beeindruckt.
Auf Annes Frage, warum sie das tut, erklärt ihre Mama,

"das hat meine Mama, deine Großmutter, schon so gemacht".


Bei Familienfest erzählt Anne ihrer Großmutter stolz,

dass sie den Strudel zusammen mit Mama gebacken hat.

Dabei fällt ihr wieder die Frage zu der besonderen Form des Strudels ein.
„Oma warum wird der Strudel halbrund geformt? "

 

Ach weißt Du mein Kind, als ich früher
den Strudel gebacken habe, war mein Backrohr zu klein,

um den großen Strudel der Länge nach zu backen,

deshalb habe ich ihn mir immer zurechtgebogen".

 

 

 

 

 

                     Wärmende Güte

 

 

 

Ein kleiner Junge, zu Besuch bei seinem Großvater,

 

fand eine kleine Landschildkröte und ging gleich daran sie zu untersuchen.

 


 

Im gleichen Moment zog sich die kleine Schildkröte in

ihren Panzer zurück und der Junge versuchte ungeduldig

und vergebens sie mit einem Stöckchen herauszuholen.

 


 

Der Großvater hatte ihm zugesehen und

hinderte ihn daran, das Tier weiter zu quälen.

 


 

So sagte er, "komm' ich erklär' dir wie man das macht."

 

Der Großvater nahm seinen Enkel

und die kleine Schildkröte mit ins Haus.

 

Er sprach zu seinem Enkel:

„setze die Schildkröte auf den

warmen Kachelofen und sieh zu“ .

 


 

In wenigen Minuten wurde das Tier warm,

steckte seinen Kopf , so auch seine Füße heraus

und kroch auf den Jungen zu.

 


 

"Menschen sind manchmal wie Schildkröten",

sagte Großvater.

 

 

"Versuche niemals jemanden zu zwingen. Wärme ihn nur mit etwas Güte, Geduld und Zeit auf...

 

und er wird seinen Panzer verlassen können."

 

 

 

 

 

Auf der Suche

 

Jemand beobachtete Nasrudin, wie dieser

etwas auf dem Boden des Dorfplatzes suchte.

 

“Was hast du verloren, Nasrudin”, fragte er.

“Meine Schlüssel”, antwortete der Mulla.

 

Nun knieten Beide auf dem Boden und suchten.

 

Nach einer Weile fragte der andere:

 

“ Nasrudin, wo hast du ihn denn eigentlich verloren?”

 

“In meinem Haus.”

 

“Aber warum suchst du ihn dann hier draußen?”

 

 

“Weil es hier heller ist.”

 

 

 

 

 

 

Drei Söhne

 

Drei Mütter kommen an einen Brunnen, um Wasser zu schöpfen.

Sie sprechen von ihren drei Söhnen.

„Meinen Sohn solltet ihr singen hören“, sagte die erste,

„das tönt so schön, als wenn eine Nachtigall singen würde.?

 

Die zweite sagte:

„Mein Sohn ist stark und schnell.

Er schleudert einen Stein fast bis zu den Wolken und fängt ihn wieder auf.“

 

Die dritte schweigt.

 

Da fragten die anderen: „Und dein Sohn“?

„Was soll ich erzählen“,

sagt sie, „mein Sohn ist ein junger Bursche wie andere auch.“

 

Nun machten sich die drei Frauen auf den Heimweg.

Die Sonne brannte, die Wassereimer wurden schwer.

Da kommen den drei Frauen deren drei Söhne entgegen.

Der erste singt so schön wie eine Nachtigall,

der zweite schleudert Steine in die Luft und fängt sie wieder.

 

Der dritte aber läuft zu seiner Mutter und nimmt ihr den Eimer ab.

 

Ein alter Mann neben dem Brunnen hat alles mit angesehen.

Eine der drei Frauen fragt ihn:

 

Nun, was sagst du zu unseren drei Söhnen?

 

„Drei Söhne“?, fragte der Alte,

 

„Ich sehe nur einen.“

 

[Leo. N. Tolstoi]

 

 

 

 

 

 

Am Fluss

Zwei Mönche waren von einem Kloster zu einem anderenunterwegs.

Nach einiger Zeit kamen sie zu einem Fluss.

 

Dort begegneten sie einer jungen Frau,

die wie die Mönche, an das andere Ufer gelangen wollte.

Die junge Frau zögerte jedoch, das Wasser zu betreten,

denn sie trug ein sehr schönes Kleid und wollte nicht, dass es nass wurde.

 

Da sagte der eine Mönch zu ihr:

"Wenn Sie wollen, kann ich Ihnen helfen, über den Fluss zu kommen."

 

Sie war angenehm überrascht und nahm das Angebot an.

Da nahm der Mönch die junge Frau in die Arme,

trug sie über den Fluss und stellte sie am anderen Ufer wieder ab.

 

Sie bedankte sich, und die beiden Mönche setzten ihren Weg fort.

 

Nach einem langen Marsch in Schweigen,

als sie fast im Kloster angekommen waren, sagte der eine Mönch zum anderen:

"Du hast die Frau über den Fluss getragen,

aber du weißt doch, dass wir als Mönche das Gelübde abgelegt haben,

nie eine Frau zu berühren."

 

Da antwortete der andere Mönch:

 

"Ich habe die Frau nur über den Fluss getragen,

Du trägst sie immer noch."

 

 

 

 

 

 

 

 

... nur ein bisschen Silber

 

Ein Mann kommt zum Rabbi und möchte wissen,

woran es wohl liege, dass die Armen oft so aufgeschlossen

und hilfsbereit sind, die Reichen hingegen fast nie.

 

Da forderte der Rabbi den Mann auf,

aus dem Fenster zu schauen und zu beschreiben, was er dort sieht.

"Also, ich sehe Wolken, ein Kind mit Hund,  Autos fahren vorbei..."

 

Dann bittet der Rabbi den Mann ins Zimmer zu kommen

und in den Spiegel zu schauen"

Und was siehst du hier?"

"Mich."

 

"Hier ist die Antwort auf deine Frage.

Beides ist Glas.

Aber sobald nur ein bisschen Silber dahinter ist,

siehst du ...

... nur dich selbst!"

 

 

 

 

 

 

 

Geben        und        Nehmen

 

Auf seiner Wanderungvon einem Ende der Welt

zum anderen kam ein junger Bursche an vielen seltsamen Plätzen vorbei.

Doch die seltsamsten waren zwei Orte,

die so weit auseinander lagen wie Himmel und Hölle.

 

Der erste Ort war eine Höhle.

In dieser gab es jede Menge Leute.

In der Mitte der

Höhle standen riesige Kessel in denen sich leckeres Essen befand.

 

Doch die Leute in dieser Höhle sahen alle merkwürdig krank aus.

Blass und ausgezehrt. Bei näherer Betrachtung konnte man beobachten,

dass sich alle vergeblich bemühten, mit riesigen Löffeln

die Nahrung aus dem Kessel zu holen.

 

Dies gelang, doch waren die Löffel so lang ,

dass die Arme zu kurz waren um sie in den Mund zu stecken.

Jeder Bewohner dieser Höhle quälte sich mit diesen großen Löffeln,

doch so sehr sie sich auch bemühten es gelang ihnen nicht,

die Nahrung bis zum Mund zu führen.

 

Nach Jahren der Wanderung erreichte der Bursche wieder eine Höhle.

Auf den ersten Blick sah sie aus wie die erste.

 

Doch die Bewohner dieser Höhle waren wohlgenährt und gesund.

Sie machten einen sehr zufriedenen Eindruck.

Ein paar standen ebenfalls um den Kessel,

in dem sich ein leckeres Essen befand.

 

Auch diese Höhlenbewohner hatten unglaublich lange Löffel ...

 

 

... jedoch sie fütterten sich gegenseitig!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wohl behütet

Ein Gärtner pflanzte

einen schönen neuen und kräftigen Baum.

Er sollte die besten Voraussetzungen zum Wachsen haben.

Einfach die besten, die ein Baum nur haben kann.

 

Also hob er weiträumig um die Pflanzstelle

den Boden aus und entfernte alle Steine und einfach

alles was den Wurzeln des Baumes im Wege sein konnte.

 

Dann nahm er die weichste und lockerste Erde,

die zu finden war, und schüttete sie in das Pflanzloch

und setzte den jungen Baum hinein.

 

Die Wurzeln sollten es so leicht wie möglich haben,

sich ihren Weg zu bahnen. 

Ja sie sollten sich ungehindert entfalten können

und sich nicht durch harten Boden kämpfen müssen.

Kein Stein, sollte ihre Bahnen stören.

 

Der Baum wuchs schnell in die weiche Erde hinein

und begann seine Wurzel in ihr auszubreiten

und mit aller Kraft schoss er in die Höhe.

 

Der Gärtner sah es mit Freude,

gab dem Baum die beste Düngung und schnitt

ihm den Weg zum Licht frei,

indem er alle Pflanzen in der Umgebung beseitigte.

 

So brauchte der Baum sich nicht mühen

und hatte Nahrung, Licht und Helligkeit im Überfluss.

Schließlich war er zu beträchtlicher Höhe emporgeschossen.

 

Doch eines Tages ...

 

... zog ein großer Sturm heran

der mit gewaltigen Böen über das Land brauste.

Der Wind griff nach dem Baum und zerrte an seinen Blättern,

Zweigen und Ästen und da die Pflanzen in der Umgebung

alle kurz gehalten waren, traf ihn die Gewalt des Sturmes

völlig schutzlos.

 

Gleichfalls wäre es für einen Baum

seiner Größe ein leichtes gewesen, dem Sturm zu widerstehen,

doch die Wurzeln griffen nur in weichen Boden,

fanden keinen Halt.

Keinen Stein, den sie umklammern konnten, nichts.

 

Nirgendwo hatten sie sich durchgekämpft,

nirgendwo sich Platz schaffen müssen.

So drückte der Sturm den schönen Baum zur Seite,

riss ihn mit samt seinen Wurzeln aus

und warf ihn schließlich

zu Boden.

 

Verfasser unbekannt

 

 

 

 

 

 

... ein Leben ... nach der Geburt?

 

Im Bauche der Mutter unterhalten sich zwei Embryos.

Einer von ihnen ein kleiner Skeptiker,

der andere voller Vertrauen und Glauben.

 

Der Skeptiker fragt:

"Und du glaubst tatsächlich an ein Leben nach der Geburt?"

Sagt der Gläubige:

"Selbstverständlich, ja. Für mich ist es völlig klar,

dass ein Leben nach der Geburt existiert.

Unser Leben hier dient nur unserem Wachstum, damit wir

uns auf das Leben nach der Geburt vorbereiten.

Damit wir stark genug sind für das, was uns dort erwartet."

Der Skeptiker ist ärgerlich:

"Das ist dummes Zeug! Es gibt kein Leben nach der Geburt.

Wie sollte ein solches Leben auch aussehen!?"

Der Gläubige: "Das weiß ich auch nicht.

Aber es wird sicher sehr viel mehr Licht sein als hier.

Und vielleicht werden wir sogar laufen und mit dem Mund essen!"

Der Skeptiker winkt ab:

"Völliger Unsinn! Laufen gibt es überhaupt nicht.

Und mit dem Mund essen ist nun wirklich eine völlig lächerliche

Idee, wir haben die Nabelschnur, die uns ernährt!

Schon deshalb ist ein Leben nach der Geburt völlig unmöglich:

Die Nabelschnur ist viel zu kurz!"

Der  Gläubige ist unbeirrt:

"Es ist sicherlich möglich. Es ist einfach alles

ein wenig anders, als wir es hier gewohnt sind."

Der Skeptiker verliert langsam die Geduld mit so viel Naivität:

"Niemand, aber auch niemand kam je zurück nach der Geburt!

Sieh es ein:

Die Geburt ist schlicht und einfach das Ende des Lebens. Punkt.

Und überhaupt:

Du und deine Traumgebilde!

Das Leben ist eine große Sorge in der Dunkelheit und das war's!"

Der  Gläubige stimmt dem nicht zu:

"Ich gebe zu, ich weiß nicht genau,

wie das Leben aussehen wird nach der Geburt

... aber auf jeden Fall werden wir dann die

Mutter endlich sehen und sie wird sich um uns kümmern!"

Der Skeptiker verdreht die Augen:

"Mutter!? Du glaubst an die Mutter? Lächerlich!

Wo bitte soll die sein?"

Der  Gläubige macht eine große Handbewegung:

"Sie ist hier!

Überall um uns herum. Wir leben in ihr und durch sie.

Ohne sie können wir gar nicht existieren!"

Der Skeptiker kann es nicht fassen:

"Meine Güte, das ist nun wirklich der Gipfel der Dummheit.

Ich jedenfalls kann deine Mutter nicht sehen!

Nicht mal ein Stückchen von ihr

 es ist doch völlig offensichtlich, dass sie nicht existiert!"

Der Gläubige schüttelt den Kopf und schließt die Augen:

"Manchmal, wenn wir ganz still sind, höre ich, wie sie singt.

Oder unsere Welt streichelt. Ich fühle und glaube fest daran,

dass die Geburt ein neuer großer Anfang ist!"

 

Orginal von Míla Rejlková

 

 

 

 

 

Blumen für meine Frau

 

Ein alter Mann fuhr in einem Bus.

In seinem Arm hielt er einen wundervollen Blumenstrauß.

Ein junges Mädchen konnte ihren Blick nicht von der Blumenpracht lassen. Immer wieder schaute sie zu den bunten Blüten und lächelte scheu.

 

Kurz vor der nächsten Haltestelle

stand der Mann auf und ging zu dem Mädchen.

Er reichte ihr den Strauß und sagte:

"Ich habe gesehen, dass du diese Blumen liebst.

Sie sind eigentlich für meine Frau.

Aber ich denke, meine Frau sähe es  gerne, dass du sie bekommst.

 

Ich gehe jetzt zu ihr und erzähle ihr, dass ich dir die Blumen geschenkt habe."

Das Mädchen nahm den Strauß mit einem nun strahlenden Lächeln an.

 

Als der alte Mann ausstieg, sah sie ihm noch nach.

 

Und er verschwand durch ein Tor,

welches zu einem kleinen Friedhof gehörte.

 

 

 

 

 

Das Copyright gehört den jeweiligen Autoren. Auch den Unbekannten!